{"id":9722,"date":"2025-08-14T11:33:01","date_gmt":"2025-08-14T11:33:01","guid":{"rendered":"https:\/\/historiker.at\/falle\/der-indianische-santos-santos-fall\/"},"modified":"2025-10-28T17:09:59","modified_gmt":"2025-10-28T17:09:59","slug":"der-indianische-santos-santos-fall","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/historiker.at\/de\/falle\/der-indianische-santos-santos-fall\/","title":{"rendered":"Der indianische Santos &#8211; Santos Fall"},"content":{"rendered":"\t\t<div data-elementor-type=\"wp-page\" data-elementor-id=\"9722\" class=\"elementor elementor-9722 elementor-6479\" data-elementor-post-type=\"page\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-3a4b5c e-flex e-con-boxed e-con e-parent\" data-id=\"3a4b5c\" data-element_type=\"container\" data-e-type=\"container\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"e-con-inner\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-6d7e8f elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"6d7e8f\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<p>Ein deutsches Partnerb\u00fcro bat uns in diesem Fall, etwaige Nachkommen eines 1919 nach Brasilien ausgewanderten Deutschen zu suchen, denen gegebenenfalls Eigentumsrechte an einem Grundst\u00fcck in Ostberlin zustehen w\u00fcrden. Mit Hilfe des Nationalarchives in Rio de Janeiro konnten wir die Einwanderungsliste einsehen und feststellen, dass der Erblasser 1919 von Deutschland kommend, in die damals prosperierende brasilianische Hafenstadt Santos einwanderte. Er verlie\u00df sein Heimatland wahrscheinlich aufgrund der prek\u00e4ren wirtschaftlichen Situation nach dem 1. Weltkrieg und suchte in Brasilien einen Neuanfang.<\/p>\n<p>Durch die Hilfe unseres Mitarbeiters Rosskamp vor Ort, der s\u00e4mtliche Einwohnermeldedaten im betreffenden Zeitraum durchst\u00f6berte sowie historische Korrespondenzen des Honorarkonsulates in Santos aushub, fanden wir ein Telex des Emigranten aus dem Jahre 1932 an seine in Deutschland verbliebene Schwester, der er darin kurz mitteilte, dass \u201edie Arbeit auf den Bananenplantagen m\u00fchsam und schlecht bezahlt sei; auch leide ich unter st\u00e4ndigem Fieber und sorgt sich meine Tochter Maria jedoch um mich\u201c.<\/p>\n<p>Wir wussten nun, dass der Erblasser eine Tochter hatte, die Maria hie\u00df, und mit Hilfe des \u00f6rtlichen Standesamtes gelang es uns, s\u00e4mtliche Geburten in Santos einzusehen und tats\u00e4chlich wurde 1925 eine Tochter des Erblassers geboren. Wir gingen nun daran, die Eheschlie\u00dfung zu finden, was uns relativ schnell gelang, wobei die Freude dabei allerdings nur von kurzer dauer war, da die Tochter den wohl gebr\u00e4uchlichsten brasilianischen Namen \u00fcberhaupt nach ihrer Hochzeit annahm: Maria Santos.<\/p>\n<p>Da es unm\u00f6glich schien, diese Dame zu finden, von der wir ja nicht einmal wussten, ob sie noch lebte, kamen wir auf die Idee, den au\u00dferhalb der Stadt gelegenen protestantischen Friedhof um eine etwaige Sterbeurkunde nach dem Erblasser zu ersuchen, da wir annahmen, dass dieser auch nach seiner Emigration nach Brasilien nicht zum Katholizismus wechselte.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich fanden wir den Sterbeeintrag des Erblassers mit dem Verweis, dass dieser 1947 mittellos verstorben war und die Stadt mangels Verwandter das Begr\u00e4bnis bezahlte.<\/p>\n<p>Maria Santos war also verschwunden und wir sahen unsere letzte M\u00f6glichkeit, einen \u00f6rtlichen Aufruf in den lokalen Medien (Radiostationen, Zeitungen) zu starten, der jedoch auch keinen Erfolg brachte.<\/p>\n<p>Schlussendlich fanden wir den Leiter des \u00f6rtlichen Armenhauses, der sich \u2013 94-j\u00e4hrig \u2013 noch an den Erblasser erinnerte, da dieser bis zu seinem Tod dort wohnte.<\/p>\n<p>Er schilderte uns die schwierige Situation der Familie und wusste, dass der Erblasser eine Tochter namens Maria hatte, die sich als Putzfrau verdingte. Gl\u00fccklicherweise konnte er uns noch die Adresse des damaligen Arbeitgebers nennen, sodass wir dessen Kinder aufsuchten, die Maria Santos noch kannten. Diese berichteten uns, dass die Tochter des Erblassers vor ca. 5 Jahren verstarb, jedoch 9 Kinder hatte, wovon eines f\u00fcr die Stadtverwaltung arbeitet.<\/p>\n<p>Die Suche nach diesem Enkelkind des Erblassers ging schnell und berichtete uns der Enkel noch von einer ebenfalls bereits verstorbenen Tante, die ca. 300 Kilometer entfernt auf einer Bananenplantage ihr Leben mehr schlecht als recht fristete.<\/p>\n<p>Schlussendlich stellte sich heraus, dass die beiden T\u00f6chter des Erblassers insgesamt 17 Kinder hatten. Nach weiteren Recherchen stie\u00dfen wir auf \u00fcber 55 Erben, wovon die Wenigsten lesen und schreiben konnten.<\/p>\n<p>Eine Tochter des Erblassers hatte einen waschechten Indianer geheiratet, mit dem sie 13 Kinder hatte; mit diesen mussten wir zu einem \u00f6rtlichen Notar die Unterschriften mittels Fingerabdruck beglaubigen lassen.<\/p>\n<p>Zog sich dieser Fall auch \u00fcber ein dreiviertel Jahr hin, so ist es uns schlussendlich doch gelungen, den vielen Erben in Brasilien eine finanzielle Hilfe zu geben; mit dem ihnen zufallenden Geld kann sich jeder von ihnen ein eigenes Haus und ein St\u00fcck Land kaufen, waren sie doch bisher als \u201emoderne Sklaven\u201c finanziell von dem Gro\u00dfgrundbesitzer abh\u00e4ngig.<\/p>\n\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein deutsches Partnerb\u00fcro bat uns in diesem Fall, etwaige Nachkommen eines 1919 nach Brasilien ausgewanderten Deutschen zu suchen, denen gegebenenfalls Eigentumsrechte an einem Grundst\u00fcck in Ostberlin zustehen w\u00fcrden. 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